Bräuchte dein Tag eine Mehrwertsteuer?

Keine Zeit, keine Zeit – das höre ich so oft, wenn ich mich mit anderen unterhalte. Ganz ehrlich, ich habe auch schon gelegentlich gestöhnt, wenn sich beim Blick auf die Uhr der Zeiger unbeeindruckt weiterbewegt.

Wo läuft denn nur die Zeit hin? Liegt es wirklich daran, dass wir älter werden? Das ist nämlich gerne ein Argument. Aber stimmt das so?

Ich denke, durch die Flut an Eindrücken, die uns täglich, stündlich und minütlich mitreißt, gibt es kein Innehalten mehr. Wir wollen jede freie Minute vollpacken – sogar in der Freizeit.

Kennst du das vielleicht? Du hast 20 Minuten Zeit, in der du nicht verplant bist. Da könntest du ja schnell noch mit diesem und jenem anfangen. Das geht sich noch leicht aus… und dann hetzt du erst wieder zum nächsten Termin.

Hat also der Tag zu wenig Stunden?

Jetzt stelle dir nur vor, du würdest, einen Zuschlag, ich nenne es mal eine Mehrwertsteuer, auf deinen 24-Stunden-Tag bekommen. Bei uns in Österreich sind das 20 %. Was würdest du mit dieser gewonnen Zeit machen? Wieder ausfüllen, mit dringenden Dingen, die auch noch zu erledigen sind?

Gut, dass wir keine Zeit dazu bekommen können. Wie wäre es mit einer anderen Betrachtungsweise und wir lassen die Steuer weg und sehen uns an, wie wir 20 % unserer täglichen Zeit mit Mehrwert gestalten können.

Wieviel ist denn das überhaupt? Es sind 288 Minuten oder 4 Stunden und 48 Minuten und das jeden Tag. Du könntest es dir leichtmachen, und sagen: kein Problem, da schlafe ich und dadurch verliere ich nichts.

Überlege dir mal, wie du diese Zeit so mit mehr Wert gestalten könntest, dass du deine Lebensqualität steigerst, ohne gleich in den Arbeitsstreik zu treten und auf eine einsame Insel auswandern zu müssen. Treibt dir alleine der Gedanke daran, 288 Minuten mit Freude zu verbringen schon Schweißperlen auf die Stirn? Dann wäre vielleicht jetzt ein günstiger Zeitpunkt, dir zu überlegen, ob es nicht eine grundlegende Veränderung braucht.

Scheibchenweise Veränderung, geht das?

Nehmen wir zum Beispiel die 20 Minuten, die zwischen einem Termin frei sind. Verzichte bewusst darauf, eine Arbeit für zwischendurch anzufangen. Atme ein paarmal tief durch und tue nichts. Eventuell kannst du ein Glas Wasser trinken – das machen die Meisten von uns viel zu selten. Ich hoffe du denkst jetzt nicht, ich mache es mir zu einfach. Glaube mir, selbst absichtsloses „nichts tun“ ist für den einen oder anderen schon eine Herausforderung.

Wenn du dann schon richtig gut im nichts Tun bist, kannst du dir überlegen, was macht dir so viel Freude, dass du es andauernd tun möchtest. Kannst du das mit deiner Arbeit kombinieren? Lässt es sich mit deinen täglichen und oft unterschiedlichen Verantwortungsbereichen unter einen Hut bringen? Wenn nicht, dann frage dich: ja, warum eigentlich nicht?

Stell dir vor, wenn du immer mehr von dem machst, was dir so viel an Lebensfreude gibt, wie würde sich das auf deine 24 Stunden auswirken? Würdest du beschwingter sein? Würde dir Vieles leichter fallen? Hätte dein Tag mehr Qualität? Wie würde sich dein Umfeld verändern?

Wäre es nicht lohnenswert zumindest täglich 288 Minuten das Leben zu haben, das gefüllt ist mit Mehrwert für dich? Es liegt bei dir.

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