Fit in die Kiste?

Fit in die KistePetra Schuseil und Annegret Zander schreiben auf ihrem Totenhemd-Blog über Tod, Sterben und das eigene Totenhemd. Die Beiden haben sich für den November eine besondere Aktion ausgedacht. Das Motto ist: „Welches ist deine heimlichste Frage zum Sterben und zum Tod?“

Als Termin habe ich mir den 11. November ausgesucht und meine Frage ist: „Fit in die Kiste?“

Heute ist ja eigentlich Faschingsbeginn und ich habe bewusst diesen Tag gewählt, um dich daran zu erinnern, jeden Tag in deinem jetzigen Leben zu schätzen und zu feiern.

Ich wurde schon sehr früh mit dem Tod konfrontiert. Mein Vater ist tödlich mit dem Auto verunglückt als ich gerade mal 5 Jahre alt war. Er ist so plötzlich nicht mehr da gewesen, was für meine Mutter sicher fürchterlich war. Leider kann ich mich an vieles nicht mehr erinnern. Aber ein Bild habe ich immer wieder vor Augen. Meine Mutter saß in ihrer Trauer in der Küche und hat geweint und ich stehe neben ihr auf einem Hocker und habe sie getröstet. Vom Küchenfenster aus hatte man etwas erhöht den Kirchturm vor sich. Der Kirchturm und dieses Bild gehören nach all den Jahren immer noch unzertrennlich zusammen.

Früher war es noch üblich, dass die Toten zu Hause aufgebahrt wurden. Als Kind war ich bei meiner damaligen besten Freundin, als ihre Oma gestorben war. Wir hatten das strikte Verbot, in das Zimmer, indem sie lag, zu gehen. Wir konnten allerdings der Versuchung nicht widerstehen und haben uns in den Raum geschlichen. Da lag die Oma und hatte ein so friedliches Gesicht, etwas weiß, aber voller Ruhe.

Wir möchten gerne fit alt werden und wenn die Zeit gekommen ist, von dieser Bühne abzutreten, soll es möglichst schnell und schmerzlos geschehen. Wenn ich Menschen sehe, denen es so schwer fällt zu gehen und die vielleicht noch sagen: ach, wenn ich nur sterben könnte, frage ich mich – warum ist das so mühsam. Dann wieder triffst du eine alte Frau, die zu dir sagt, ich habe ein so schönes Leben gehabt, nicht immer leicht, aber es war gut. Zwei Tage später flattert dir die Todesanzeige ins Haus, das finde ich erstaunlich.

Ist es so, dass wir vielleicht eine gewisse Klarheit brauchen – vom Leben und vom Tod? Gelegentlich fällt es schwer, das Leben mit klaren Augen zu betrachten. Dies wirft die Frage auf, wie man sich wohl bei jener bisher unbekannten Begegnung fühlt?

Ich denke, wir sollten uns die schönen Momente in irgendeiner Form speichern, solange sie uns bewusst sind. Damit wir sie im Alter parat haben, um uns daran zu erinnern. Dadurch kann sich eine gewisse Ruhe und Gelassenheit entwickeln, die uns bereit macht „Fit in die Kiste“ zu steigen. Meine letzten Worte sollen sein: schön war’s.

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